Die Landfrauenschule St. Agnes vor den Mauern in Thuine im Jahr 1955, drei Jahre nach der offiziellen Einweihung des Gebäudes. Im Juli 2019 wird das Gebäude abgerissen und ein neuer Anbau an das aktuelle Berufsschulgebäude bezogen. Foto: Archiv BBS Thuine
Die Landfrauenschule St. Agnes vor den Mauern in Thuine im Jahr 1955, drei Jahre nach der offiziellen Einweihung des Gebäudes. Im Juli 2019 wird das Gebäude abgerissen und ein neuer Anbau an das aktuelle Berufsschulgebäude bezogen. Foto: Archiv BBS Thuine

Historisches Schulgebäude wird abgerissen

Zum Abschied gibt es in der BBS Thuine am Samstag einen Begegnungstag / Bislang 650 Anmeldungen

Thuine Die Berufsbildenden Schulen in Thuine sind 1862 als deutschlandweit zweitälteste Bildungseinrichtung dieser Art eröffnet worden. Nun wird das 1952 eingeweihte „neue“ Schulgebäude abgerissen, zum Abschied gibt es am 29. Juni 2019 einen Begegnungstag. Rund 650 Ehemalige haben sich bereits angemeldet.

Von C. van Bevern, Lingener Tagespost 27.06.2019

Viele Räume in dem Schulgebäude aus den 1950er-Jahren sind zumindest zum Teil bereits leer geräumt. Und auf vielen noch verbliebenen Einrichtungsgegenständen kleben kleine gelbe Notizzettel. Darauf sind fein säuberlich die Namen der künftigen Besitzer der Schränke und Öfen, der Kühlschränke oder auch einzelner Stühle vermerkt. „Die ehemalige stellvertretende Leiterin des Franziskusgymnasiums, Schwester Antonia Duisen, hat sich in den vergangenen Monaten auch über Online-Kanäle zur Profi-Verkäuferin entwickelt“, erklärt dazu die Generaloberin der Thuiner Franziskanerinnen, Schwester Maria Cordis Reiker, als Vertreterin des Schulträgers kurz vor dem noch im Juli geplanten Abriss bei einem Rundgang durch das ehemalige Schulgebäude.

Beim Rundgang wird schnell klar, dass dieses Gebäude nicht mehr den heutigen Anforderungen an ein Schulgebäude entspricht. Aber es „atmet“ Geschichte, führt zurück in längst vergangene Zeiten. Es gibt viele Treppen, viele kleine und verwinkelte Räume und Unterrichtsräume im Keller. „Wir haben eine Sanierung kalkulieren lassen. Aber das ließ sich finanziell einfach nicht darstellen. Alle Leitungen hätten ebenso erneuert werden müssen wie der Brandschutz, der Zuschnitt der Räume bis hin zu einer kompletten energetischen Erneuerung. Wir haben uns dann für einen Anbau an das aktuelle Schulgebäude entschieden“, berichtet die Generaloberin.

Der Orden als Schulträger und Schulleiterin Cornelia Remmers haben zu diesem Anlass einen Begegnungstag organisiert und dazu ehemalige Schüler, Mitarbeiter sowie Lehrer angeschrieben. „Die Resonanz war enorm“, freut sich die Generaloberin. Rund 650 Personen haben sich laut der Schulleiterin aktuell bereits angemeldet. So werden an diesem Tag von 14 bis 17 Uhr Ehemalige nicht nur aus dem Emsland, sondern auch aus Hannover, Nienburg, Essen, Oldenburg und Münster erwartet.

Jahrgangsweise werden sich die Ehemaligen dann in den heutigen Klassen- und Fachräumen treffen und austauschen, bei einem Gang durch das ehemalige Schulgebäude und Betrachten einer kleinen Ausstellung noch einmal Erinnerungen auffrischen und bei letztmalig in den alten Lehrküchen zubereitetem Kaffee und Kuchen stärken können. Auch Gäste, die sich bislang noch nicht angemeldet haben, sind dazu herzlich willkommen.

Nur zwei Tage später werden dann die verkauften Einrichtungsgegenstände abgeholt und noch benötigtes Material in der Schule zwischengelagert. Der Abriss beginnt wenig später, entstehen soll zunächst eine schlichte Rasenfläche.

Die Geschichte der Bildungseinrichtung geht dabei bis 1862 zurück, in diesem Jahr wurde die „Haushaltungsschule mit Pensionat im St. Georgsstift Thuine“ als deutschlandweit zweitälteste Einrichtung dieser Art eröffnet. Untergebracht war die Schule zunächst in einem Gebäude des Klosters, unterrichtet wurde unter anderem in „Milchwirtschaft“ und in „Garten- und Feldarbeit“.

1901 erhielt die Haushaltungsschule die staatliche Anerkennung, wenig später erlaubte die Königliche Regierung die Erweiterung des Schulangebotes. 1904 besuchten schließlich 65 Schülerinnen die Einrichtung, sodass ein Neubau erforderlich wurde und 1904/05 das Pensionat „St. Agnes“ errichtet wurde. Am 5. August 1952 wurde schließlich der Neubau „St. Agnes vor den Mauern“ außerhalb des Klostergeländes offiziell eingeweiht.

2007/08 folgte der Bau des heutigen Schulgebäudes, 2018 begann man schließlich mit der Erweiterung um einen hauswirtschaftlichen Trakt mit Lehrküche und Speisesaal.